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Stand: 21.01.2015

Pressemitteilung

Männergesprächskreis „Flügel und Wurzeln“

An den Treffen nahmen Männer aus Syrien, Afghanistan, Irak, dem Kosovo und Deutschland teil. Die Inhalte der Treffen waren nicht vorgegeben, hier konnten die Männer ihre Themen und Vorschläge einbringen. Unterstützt wurde der Gesprächskreis von den Gemeinden Schallstadt und Ebringen, von der „Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg (LAGO)“ sowie durch Mittel des Landesprogramms „Demokratie stärken Baden Württemberg gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“.

Männerkreis Schallstadt

„Flügel und Wurzel“ – bei diesem Titel müssen die meisten vielleicht zuerst an eine Natur-pädagogische Veranstaltung oder an einen Wald-Erlebnistag denken. Aber an einen Männergesprächskreis? Was haben Flügel und Wurzeln mit Männern zu tun? Und wollen sich Männer nicht lieber über Sport (Fußball), Autos und Computer unterhalten, wenn sie sich denn unterhalten? Und doch passt der Titel des Gesprächskreises sehr gut zu uns Männern: Wir haben Wurzeln, sind verwurzelt: in unseren Familien, in unserer Heimat, im Freundeskreis, aber auch in der Arbeit und in der Religion. So richtig bewusst wird uns das aber meist erst dann, wenn diese Wurzeln fehlen oder nicht mehr vorhanden sind, wenn wir nicht mehr mit ihnen verbunden sind oder verbunden sein können. Und die Flügel stehen dafür, dass wir Männer auch gerne unterwegs sind, hinausgehen, Neues entdecken wollen. Und dass wir manchmal neue Wege einschlagen und ausprobieren müssen. Und das wir nicht immer wissen, wohin uns der „Wind“ trägt und was uns erwartet.

Beide Aspekte kamen bei den Treffen zur Sprache, manchmal offen und direkt: „ ich weiß nicht, ob meine Familie kommen kann und wo wir dann wohnen“ – „letzte Woche sind Familienmitglieder von mir in Syrien gestorben, ich bin zu Tode betrübt, ich weiß nicht mehr weiter“ – „ich bin seit einem Jahr hier, aber meine Familie ist noch in Gefahr, ich kann mich gar nicht konzentrieren, was ich lerne, vergesse ich gleich wieder“. Öfters aber auch indirekt oder hintergründig. Z. Bsp. als ein 84-jähriger deutscher Mann seine Lebensgeschichte erzählte von seiner Kindheit im zweiten Weltkrieg, den schweren Jahren danach und die Veränderungen, die sein berufliche Werdegang hervorbrachten. Oder in dem regen Gesprächsaustausch mit den Bürgermeistern von Ebringen und Schallstatt.

Männerkreis Schallstadt beim bowling

Aber auch ganz alltäglich-pragmatische Themen kamen zur Sprache. Wie „Auto fahren in Deutschland“, „Wohnraum im Landkreis“ oder die Frage „wie kann ich einen Führerschein in Deutschland machen?“. Daneben hatten auch andere Themen und Aktionen ihren Platz: Bowlen als gemeinsame sportliche Aktivität, einen Ausflug zum Freiburger Münster mit anschließender kleiner Wanderung durch den schönen herbstlichen Wald zur Zähringer Burg. Ein Spieleabend und ganz wichtig: das gemeinsame Essen jeweils am Ende der Treffen.

Der Männergesprächskreis „Flügel und Wurzeln“ wollte einen Raum anbieten für Begegnungen, für Gespräche, zum Kennenlernen. An einem Ort, der kein Büro, kein Sprechzimmer, kein Amt oder Schulraum war. Ein Raum, an dem sich zuerst einmal Menschen treffen (und keine Flüchtlinge, Helfer und/oder „Experten“), wo auch viel gelacht wurde, wo jeder sich einbringen konnte, so wie er wollte. Und so fielen die Rückmeldungen beim letzten Treffen  durchweg positiv aus:

Männerkreis Schallstadt Gruppenbild

„Ein Platz um Ideen einzubringen und sich auszutauschen“ - „schön“ -  „sehr gut“  - „Heimat werden“ „gute Kontaktmöglichkeit“ - „es ist eine praktische Idee“ - „fantastisch“ -  „ein Ort der uns zusammen verbunden hat“ - „alles wunderbar“ -  „reden und deutsch lernen“ - „interessante Menschen kennengelernt“.

Für die Zukunft bleibt ein großer Wunsch: „noch mehr Deutsche einladen und kennen lernen!“

Text/Bilder: Simon Geiger & Norbert Baum.