Mit einem eindringlichen Appell gegen Gewalt an Frauen und Mädchen eröffnete der Caritasverband für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald e.V. am 25. November 2025 die internationalen Orange Days - die 16 Aktionstage gegen Gewalt an Frauen im Verband. Der Internationale Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen bildet jährlich den Auftakt für zahlreiche Aktionen, die auf die weltweite Problematik aufmerksam machen und Wege zu Schutz und Prävention aufzeigen.
Zentrales Element des 16 Aktionstage im Verband war der öffentliche Vortrag "Femizide - rechtliche Perspektiven und Prävention", den die engagierte Opferschutzanwältin Claudia Meng im Weihbischof-Gnädiger-Haus in Freiburg hielt. Vor zahlreichen Interessierten sprach Meng über rechtliche Perspektiven auf das Thema Femizid sowie über Prävention in Hochrisikofälle häuslicher Gewalt. Sie machte deutlich, wie rechtzeitiges Erkennen von Risikofaktoren und interdisziplinär vernetztes Handeln aller beteiligten Institutionen sind.
Unterstützt wurde Claudia Meng dabei von Kriminalhauptkommissarin Judith Schmalz, die auf die präventive Arbeit der Polizei einging. Anhand von Fallbeispielen zeigte Frau Schmalz, wie betroffene Frauen von der Polizei unterstützt und geschützt werden können.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine intensive Diskussion mit dem Publikum. Besonders wurde die Angst von Frauen thematisiert, sich an die Polizei zu wenden, aus Sorge, dass ihnen nicht geglaubt wird oder dass eine Anzeige die Gewalt weiter eskalieren könnte. Auch die ökonomische und emotionale Abhängigkeit in Gewaltbeziehungen sowie patriarchale Strukturen und stereotype Rollenbilder wurden diskutiert, die Gewalt begünstigen und Betroffene oft zusätzlich stigmatisieren.
Deutlich wurde in der Diskussion, dass es eine breitere politische Auseinandersetzung über die rechtliche Einordnung von Femiziden braucht. Viele Teilnehmende wünschten sich, dass Femizide klarer im juristischen System verankert und spezifisch benannt werden, um ihre gesellschaftliche Tragweite sichtbar zu machen.
Frau Dr. Bettina Leonhard, Vorständin des Caritasverbandes Breisgau-Hochschwarzwald, betonte, dass es eine klare politische Positionierung auch von Sozialverbänden wie der Caritas braucht, sowohl als Stimme für Betroffene als auch als Impulsgeber für strukturelle Veränderungen. Die Beiträge aus dem Publikum zeigten insgesamt, wie notwendig verlässliche Schutzangebote, rechtliche Weiterentwicklungen und ein mutiger gesellschaftlicher Diskurs sind.
Der Caritasverband setzt in diesem Jahr zusätzlich ein weithin sichtbares Zeichen: In verschiedenen Altenhilfeeinrichtungen und Außenstellen im Landkreis werden vier rote Bänke aufgestellt. Die Bänke tragen die Botschaft "Kein Platz für Gewalt gegen Frauen" und sollen dazu anregen, über Gewaltformen, ihre Ursachen und Hilfsmöglichkeiten ins Gespräch zu kommen.
Mit diesen Aktionen macht der Caritasverband deutlich: Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist keine Privatsache, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das entschlossenes Handeln, Aufklärung und Solidarität erfordert. Die Orange Days sollen Mut machen, Betroffenen Wege aus der Gewalt aufzeigen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen.